Wer ist online
Wir haben 10 Gäste online

Rückwärtsgerichtete Autositze


Bei der Babyschale, dem ersten Autositz, denkt niemand nach, ob Neugeborene vorwärts oder rückwärts fahren sollten. Jedem ist klar, dass rückwärts beim Bremsen sicherer ist für ein kleines Kind mit wenig Muskelspannung. Hierzulande ist der Zeitpunkt, zu dem man auf einen "normalen" vorwärts gerichteten Autokindersitz umsteigt, sobald das Kind alleine sitzen kann. Das ist sehr künstlich gewählt, denn bis zum vierten Geburtstag können kleine Kinder ihren Kopf bei einem Unfall nur unzureichend halten - es gibt sehr viel häufiger Genickbrüche durch den starken Zug am Kopf, dem die wenig entwickelte Nackenmuskulatur nichts entgegensetzen kann.

Hier ein Video, das den Unterschied deutlich macht:

Crashtest-Video Vorwärts- gegen Reboard-Kindersitz



                    alt   alt


Wieso rückwärts fahren?

  • rückwärts gerichtete Kindersitze reduzieren die Gefahr schwerer Verletzungen bei einem Unfall um 90%, vorwärts gerichtete nur um 62%
  • bei einem Aufprall wird die entstehende, massive Kraft über den ganzen Oberkörper verteilt und dieser in die Schale gedrückt - vorwärts fliegen die Kinder nach vorne und die Zugkraft zieht am Kopf. Dieser ist im Verhältnis zum Körper ca. 15-20% größer als bei Erwachsenen und hat so relativ gesehen mehr Gewicht.
  • "Innerer Genickbruch" - durch die starke Zugkraft wird das Rückenmark in der Wirbelsäule gedehnt, wird es überdehnt, kann es reißen, was meistens zum Tod oder zur Querschnittslähmung führt
  • auch beim Seitenaufprall ist rückwärst sicherer - meistens sieht man einen Seitenaufprall kommen, wenn man biespielweise die Vorfahrt genommen bekommt, und bremst stark. Vorwärts wird das Kind aus dem Sitz gezogen, beim Seitenaufprall gibt es dann nichts mehr, was den kleinen Körper stützt. Im Rear-Facing Kindersitz wird das Kind durch den Zug in den Sitz gedrückt und perfekt von den 9cm tiefen Seitenbacken aufgefangen.
  • Kinder können wesentlich besser sehen - sie können aus der Heckscheibe und den Seitenscheiben schauen, da der Sitz sehr hoch ist. Rückwärts können die Augen die Objekte außerhalb des Autos verfolgen, was viel weniger anstrengend ist als immer wieder neu fixieren zu müssen, wie beim Vorwärtsfahren.
  • Kleinkinder sind rückwärtsfahren von der Babyschale gewöhnt, ihnen wird nicht schneller schlecht und es gibt keinen Grund, dass sie es nicht mögen sollten. Häufig liegt die Unzufriedenheit im Auto an der Liegeposition in der Babyschale, in der man nichts sehen kann. Ziehen die Kinder in den Rückwärts-Sitz um, ist sofort wieder Ruhe.
  • Sehr viel früher als bei Vorwärts-Sitzen ist der Umzug von der Babyschale möglich - schneller wieder zufriedene Kinder im Auto. Es gibt eigentlich keine Grenze nach unten, da unser HTS Combi X3 eine Schlafposition hat und über ein extra Einlegekissen für Neugeborene umgerüstet werden kann.

Es gibt noch soooo viel mehr Gründe. Aber in unseren Augen geht nichts über die Sicherheit der Kinder - denn wir bewegen uns viel im Straßenverkehr mit dem Auto und sollten hier unsere Zwerge bestmöglich schützen. Das hat uns auch dazu bewogen, dieses doch eher untypische Produkt in unsere Palette aufzunehmen. Wir möchten mehr Familien über das Rückwärtsfahren informieren und so möglichst vielen Kindern einen sicheren Autositz ermöglichen. 


Ich habe aber gehört, dass...

  • ...Reboard-Sitze nicht in alle Autos passen

Es gibt eine Modellliste, auf der alle getesteten Modelle zu sehen sind. Der HTS Combi passt in fast alle Autos. Allerdings ist es am besten, wenn ihr einfach vorbei kommt und es ausprobiert. Wir haben den HTS Combi schon in sehr kleine Autos wie den Toyota Auris oder den VW Golf mit nur drei Türen problemlos eingebaut. Wenn wir mit euch zusammen ausprobieren, seid ihr auf der sicheren Seite und könnt euch selber anschauen, wie euer Kind im Combi sitzt und eine Probefahrt machen.

  • ...der Einbau schwierig ist

Der Einbau ist etwas aufwändiger als bei den bekannten vorwärtsgerichteten Kindersitzen. Dies erklärt aber auch die höhere Sicherheit. In Skandinavien sind rückwärtsgerichtete Autositze üblich und dort schaffen es auch alle Eltern, die Sitze einzubauen. Ganz einfach ist die Isofix-Variante für alle, die das Geld dafür ausgeben möchten. Aber auch der Einbau des Sitzes ohne Isofix ist sehr leicht zu erlernen. Am besten geht es, wenn man es gezeigt bekommt. Daher nehmen wir uns die Zeit, den Sitz mit euch mehrfach ein- und auszubauen, bis ihr es selber ohne Probleme könnt. Und noch etwas: Selbst mit Einbaufehlern wackelt der Sitz oft keinen Millimeter. Er ist also selbst fehlerhaft eingebaut noch viel sicherer als ein Vorwärts-Sitz jemals sein könnte.

  • ...die Testnoten immer nur "ausreichend" sind

Die Testnoten im Bereich "Sicherheit" sind immer Bestleistungen, immer schneiden rückwärtsgerichtete Autositze als Testsieger ab. Die durchschnittlichen oder ausreichenden Testergebnisse kommen daher, dass eine Note sich aus mehreren Teilen zusammen setzt. Meistens schneiden Rückwärts-Sitze bei der Handhabung schlechter ab, da, wie bereits angesprochen, der Einbau etwas aufwändiger ist. Bei einem Test bekommen beispielsweise fünf Leute den Sitz ohne Anleitung und sollen ihn einbauen - Vorwärts-Sitze kennt jeder und kann sie wahrscheinlich einbauen. Rückwärts-Sitze kennt hierzulande keiner und sie haben mehrere Sicherungssysteme wie einen Standfuß und einen Überrollbügel. Sinnvoll wäre eine Testung mit Vorführung des Einbaus und Nachmachen und anschließender Überprüfung, wie sehr die Einbaufehler die Sicherheit beeinträchtigen. Dann würde das Ergebnis hier ganz anders aussehen.

  • ...die Sitze viel schwerer und sperriger sind

Das stimmt - denn das Gewicht hängt ab von den verwendeten Materialien. Der HTS Combi besteht aus Materialien, die zum großen Teil extra entwickelt wurden, um möglichst sicher zu sein. Dafür muss gelegentlich Metall verwendet werden, was schwerer ist. Außerdem gibt es die Teile, die ein Rückwärts-Sitz braucht, um perfekt gestützt zu werden wie den Überrollbügel zur Autositzlehne hin und den Standfuß zum Boden hin. Das Gewicht hat also einen guten Grund - die Sicherheit. Für uns ist es daher eher ein Pluspunkt.


Links zum Weiterlesen:

Ein Großvater erzählt die Geschichte seines Enkels mit einem überlebten Genickbruch im vorwärtsgerichteten Autositz: Joel's Journey

Expertenmeinungen zum Rückwärtsfahren

Tests des HTS Combi X3

Artikel aus dem Pediatric Journal: Rear-facing - getting the message right!